1. Dortmunder Informationstag Blasenkrebs

Samstag. 10. November 2007

 

Betroffene und Angehörige informierten sich

Am 10. November 2007 fand der von der Selbsthilfegruppe Blasenkrebs Dortmund veranstaltete 1. Dortmunder Informationstag Blasenkrebs statt.

Betroffene, Angehörige und Interessierte waren zu diesem Anlass in das Katholische Centrum gekommen. Sogar aus der Nähe von Frankfurt am Main und aus Weimar waren Teilnehmer angereist.

Das Interesse zum Thema Blasenkrebserkrankungen war groß, ca. 120 Teilnehmer waren angereist in Verantwortung gegenüber ihrem eigenem Körper, sowie den nahe stehenden Angehörigen, um Informationen einzuholen über die angebotenen Themen, so dass der Informationstag zu einem vollem Erfolg wurde.

U. a. das Thema Vorsorge und die damit verbundene Früherkennung ist für die Heilbarkeit von Blasenkrebserkrankungen von herausragender Bedeutung.

 

Die Referate gemäß unserem Leitgedanken: 

 

 „Wissen kann Ängste abbauen.“

 

Auftreten von Blasenkrebs

Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung, Verhütung

 

Blasenkrebs: Vorsorge, Früherkennung,

Diagnostik, aktuelle Behandlungsmethoden

 

Körperliche und psychische Folgen bei Blasenkrebs und deren Therapie

 

Rehabilitation und Nachsorge bei Blasenkrebserkrankungen

 

inhaltlich wie folgt:


 

Referat von Prof. Dr. Klaus Golka

Arzt für Arbeitsmedizin, Umweltmedizin

Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund

 

Thema:  Auftreten von Blasenkrebs

Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung, Verhütung

Für Blasenkrebs sind äußere und damit vermeidbare Einflüsse als ursächlich belegt. Zigarettenrauchen ist der mit Abstand wichtigste Risikofaktor, wobei das Erkrankungsrisiko mit dem Ausmaß des Zigarettenkonsums ansteigt und sich bereits wenige Jahre nach Beendigung des Rauchens wieder verringert.

Zweiter wichtiger Risikofaktor sind berufliche Expositionen, vor allem gegenüber krebserzeugenden aromatischen Aminen sowie bestimmten Azofarbstoffen. Gefährdet sind vor allem Personen, die in früheren Jahrzehnten bestimmte Azofarbstoffe hergestellt oder, wie z. B. Maler oder Friseure, verarbeitet haben. Aber auch starke Expositionen gegen Verbrennungsprodukte, wie sie im Ruhrgebiet z. B. in Kokereien und bei der Aluminiumelektrolyse anzutreffen waren, können zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko führen. Typisch für eine beruflich bedingte Blasenkrebserkrankung ist, dass die Erkrankung im Allgemeinen erst viele Jahre nach Beginn der beruflichen Exposition auftritt.

Risiken durch umweltbedingte Expositionen scheinen eine geringere Rolle zu spielen. Therapiebedingte Blasenkrebse sind zu beachten. Vorbeugung und Verhütung bestehen gegenwärtig vor allem in der Expositionsvermeidung.  Da die für die Auslösung von Blasenkrebs verantwortlichen Expositionen im Allgemeinen viele Jahre zurückliegen und nicht mehr rückgängig gemacht werden können, sind Untersuchungen zur Früherkennung von Blasenkrebs vor allem bei Personengruppen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko von herausragender Bedeutung.


 

Referat von Prof. Dr. Michael C. Truß

Urologische Klinik, Klinikum Dortmund gGmbH

 

Thema:  Blasenkrebs:  Vorsorge, Früherkennung,

Diagnostik, aktuelle Behandlungsmethoden

Allgemeines

In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jährlich ca. 26.000 Patienten neu an einer bösartigen Erkrankung der Harnblase, dem Harnblasenkrebs. Dieser Tumor entsteht in den meisten Fällen aus dem so genannten Urothel. Das Urothel ist die Auskleidung der Harnblaseninnenwand, also die Innenhaut der Blase. Der Altersgipfel der Erkrankten liegt zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr, nur 5 % sind jünger als 45 Jahre.

Zahlreiche chemische Stoffe werden mit der Entstehung von Harnblasenkrebs in Verbindung gebracht. Zigarettenrauchen wird für etwa die Hälfte aller Erkrankungsfälle bei Männern und 30 % bei Frauen verantwortlich gemacht. Bei langjährigem Kontakt mit Stoffen, die in der Textil-, Leder- oder Farbindustrie verwendet werden, steigt das Erkrankungsrisiko. Auch bestimmte Medikamente und chronische Entzündungen fördern die Krebsentstehung in der Harnblase.

Symptome

Bei den meisten der Patienten fällt eine, in der Regel schmerzlose, rötliche bis braune Färbung des Urins (=Makrohämaturie) auf, verursacht durch eine Blutung des Tumors. Auch häufiger Harndrang, wobei jeweils nur eine geringe Menge Harn entleert wird, kommt bei rund 30 % der Betroffenen vor.

Diagnostik

Zur Abklärung einer Tumorerkrankung der Harnblase ist eine Urinuntersuchung unerlässlich. Hierbei können für das Auge nicht sichtbare Blutungen erkannt werden, die einen ersten Hinweis auf das Vorliegen einer Erkrankung geben können. Weitere Urinuntersuchungen zielen auf den Nachweis von Tumorzellen oder bestimmten Markern im Urin.

Wichtigste Untersuchungsmethode zur Feststellung, ob ein Harnblasenkrebs vorliegt, ist die Blasenspiegelung (=Zystoskopie). Bei dieser Untersuchung betrachtet der Urologe die Blaseninnenwand über die Harnröhre hindurch mit einem starren oder flexiblen dünnen Rohr. Gleichzeitig kann er aus verdächtigen Arealen Gewebeproben entnehmen. Die feingewebliche Begutachtung der Proben gibt Aufschluss darüber, ob es sich um Krebs handelt und wie tief der Tumor in die Blasenwand eingedrungen ist. Bestätigt sich der Verdacht auf Harnblasenkrebs, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ausbreitung der Erkrankung zu bestimmen.

Zur Früherkennung von Harnblasentumoren wurde ein Verfahren entwickelt, die so genannte Photodynamische Diagnostik (PDD), das mittlerweile in vielen Ländern in Europa und in

Nordamerika angewendet wird. Dieses Verfahren, das zusätzlich im Rahmen der klassischen Blasenspiegelung angewendet wird, ermöglicht durch eine spezifische Anfärbung von Harnblasentumoren mittels eines Farbstoffes, der in die Harnblase eingebracht wird, eine verbesserte Diagnostik von Harnblasentumoren, die im Bereich der Oberfläche der Harnblasenwand entstehen.

Das Einbringen des Farbstoffes erfolgt durch einen dünnen Katheter über die Harnröhre und ist für den Patienten ungefährlich. So kann der Urologe im Rahmen der Blasenspiegelung ohne Zeitverlust frühzeitig kleinste Tumoren erkennen und entsprechend behandeln.

Gerade Tumoren, die aufgrund ihres flachen Wachstums (=Carcinoma in situ) oder ihrer geringen Größe leicht im Rahmen der klassischen Blasenspiegelung übersehen werden, können somit gefunden werden. Untersuchungen in mehreren großen urologischen Kliniken haben gezeigt, dass durch den zusätzlichen Einsatz dieser Methode eine vollständigere elektrische Abtragung von Harnblasentumoren möglich ist und somit das Risiko für das Widerauftreten eines erneuten Tumors deutlich gesenkt werden kann.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors: Bei einem oberflächlichen Harnblasenkrebs hat der Tumor noch nicht die Muskelschicht der Harnblasenwand befallen. Meist kann der Urologe während der Blasenspiegelung diese Tumoren mit einer elektrischen Schlinge (=TUR-Blase) abtragen. In der Regel haben diese Patienten eine sehr günstige Prognose, in vielen Fällen wachsen jedoch nach ein paar Monaten oder Jahren erneut solche Gewächse in der Harnblase. Aufgrund dessen werden zur Vorbeugung nach der elektrischen Abtragung noch ambulant Medikamente über die Harnröhre in die Harnblase eingespritzt.

Hat der Tumor die Muskelschicht der Blasenwand befallen oder liegt ein sehr aggressiver oberflächlicher Harnblasenkrebs vor, bietet die vollständige operative Entfernung der Blase die beste Aussicht auf Heilung (= Zystektomie). Bei Männern wird meistens zusätzlich die Prostata mit den Samenbläschen entfernt, bei Befall der Harnröhre auch diese. Bei Frauen werden zusätzlich die Gebärmutter, die Harnröhre und meist auch die Eierstöcke entfernt.

Eine teilweise Entfernung der Harnblase hat sich nicht bewährt und kommt nur in ausgewählten Fällen in Frage.

Für die Urinableitung nach der operativen Entfernung der Harnblase stehen verschiedene Möglichkeiten, in Abhängigkeit von der Erkrankungssituation, dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten, zur Wahl.

Bei der Bildung einer Ersatzblase (Neoblase) aus Darm, in die die Harnleiter neu eingepflanzt werden und die an die Harnröhre angeschlossen wird, kann die Blasenentleerung auf natürlichem Wege erfolgen. In manchen Fällen wird ebenfalls aus Darm eine Ersatzblase gebildet, die über einen kleinen, kaum sichtbaren Ausgang im Bereich des Nabels mittels eines dünnen Katheters entleert werden kann. Der Ausgang verfügt über einen Ventilmechanismus, so dass der Patient keinen unwillkürlichen Urinverlust erleidet (= trockenes Stoma).

Die Harnleiter können aber auch in ein ausgeschaltetes Stück Darm eingepflanzt werden, dessen offenes Ende über die Bauchhaut nach außen abgeleitet wird (= nasses Stoma).

Bestehen bereits Absiedlungen (=Metastasen) des Harnblasenkrebses in andere Körperregionen, (wie z.B. Lymphabflussstationen, Lunge, Leber, Knochen) wird die Behandlung individuell festgelegt. Neben der Gabe von Medikamenten (Chemotherapie) zur Behandlung dieser Absiedlungen kann in Abhängigkeit von Beschwerden im Bereich der Harnblase neben einer operativen Therapie (z.B. TUR-B; Zystektomie) auch eine Bestrahlungsbehandlung dem Patienten helfen.


 

Referat von Prof. Dr. Ulrich Otto

Klinik Quellental, Bad Wildungen

Thema:  Körperliche und psychische Folgen bei Blasenkrebs und deren Therapie

Die Krebsdiagnose stellt für die meisten betroffenen Patienten einen tiefen Einschnitt in ihrer Biographie dar. Sehr häufig tritt zu Beginn ein Diagnoseschock auf, der allmählich seelisch verarbeitet werden muss.

Die häufigste Diagnose auf seelischer Ebene, die bei Patienten kurz nach der erfolgten Diagnosestellung und nach einer anschließenden Operation oder anderen Behandlungen gestellt wird, lautet „psychische Belastungsreaktion“. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen als Reaktion auf die Diagnose und der depressiv gefärbten Stimmungsbeeinträchtigung leiden und verstärkt Stress oder innere Unruhe empfinden. Es kann sehr hilfreich sein, mit professioneller Unterstützung seelische Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um “Schritt für Schritt“ wieder zu mehr innerer Ruhe zu finden und einen konstruktiv-bewältigungsorientierten Umgang mit der Situation zu entwickeln und physische Beschwerden wie Nervösität und Schlafstörungen mit geeigneten psychologischen Methoden zu lindern.

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen entwickelt sich vorübergehend eine gravierende seelische Erkrankung, vor allem eine Depression, die dann mit einer intensiven Psychotherapie und ab einem bestimmten Schweregrad zusätzlich auch medikamentös ( Antidepressiva ) behandelt werden muss.

Der seelische Umgang mit den Operationsfolgen nach radikaler Entfernung der Blase kann ebenfalls in psychoonkologischen Gesprächen oder im Rahmen einer Psychotherapie bewältigungsfördernd verändert werden. So können Patienten nach radikaler Entfernung der Blase Strategien entwickeln, um die in der Regel vorübergehende, nach der Operation in vielen Fällen auftretende Harninkontinenz besser zu bewältigen. Ebenso können die sexuellen Funktionsstörungen, die nach der Operation in vielen Fällen eintreten, entlastend besprochen werden und Wege für eine befriedigende Sexualität nach der erfolgten Operation aufgezeigt werden. Neben der Ermutigung, von den technischen und gegebenenfalls medikamentösen Hilfsmitteln der sexuellen Rehabilitation Gebrauch machen zu können, werden Ängste und Missverständnisse abgebaut, was befreiend und ermutigend sein kann und eine konstruktive Perspektive für das Sexualleben ermöglicht.

Der Bedarf an psychoonkologischer Betreuung von Patienten nach Entfernung der Blase wegen eines Blasenkarzinoms ist mit über 80 % sehr hoch. Darüber hinaus nehmen, wie eine Studie der Klinik Quellental gezeigt hat, ca. 50 % eine oder mehrere psychoonkologische Einzelgespräche wahr. Diese Maßnahmen führen zu einer deutlich verbesserten Krankheitsverarbeitung und auch zu einem besseren klinischen Verlauf.


 

Referat von Prof. Dr. Ulrich Otto

Klinik Quellental, Bad Wildungen

Thema:  Rehabilitation und Nachsorge bei Blasenkrebserkrankungen

Die Rehabilitation und fachspezifische Nachsorge spielt bei Patienten mit einem Blasentumor nach der operativen Therapie eine immer größer werdende Rolle. Dies ist vor allen Dingen dadurch bedingt, dass in den letzten 15 Jahren die radikale Entfernung der Blase in der heilenden, also kurativen Therapie des lokal fortgeschrittenen Blasenkarzinoms einen festen Platz eingenommen hat.

Bei Patienten, bei denen die Blase radikal entfernt worden ist und die Blase durch eine aus Dünndarm geformte Blase ( Ileumneoblase ) ersetzt worden ist, hat die Rehabilitation eine besondere Bedeutung.

Die Zielsetzungen der Rehabilitation bestehen dabei

            1.  in der Beseitigung der Funktionsstörungen nach der Operation,

            2.  in der direkten und langfristigen Nachsorge nach der Tumorerkrankung und der Operation,

            3.  in der Krankheitsbewältigung nach der Konfrontation mit der Diagnose Krebs,

            4.  in der Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit nach dem größten operativen Eingriff in der Urologie,

            5.  bei berufsfähigen Patienten in der Wiedereingliederung in das Berufsleben.

Abhängig von der Form der Harnableitung besteht die Behandlung der Funktionsstörungen nach der Operation in der Beseitigung der Blasenentleerungsstörungen bzw. der Harninkontinenz bei aus Dünn- oder Dickdarm geformten Blase sowie in der optimalen Versorgung von Harnableitungen, bei denen der Urin über die Harnleiter direkt oder über ein Dünndarmsegment in einen Stomabeutel abgeleitet wird.

Durch Studien, die in den Kliniken Quellental und Birkental, Bad Wildungen, durchgeführt wurden, konnte gezeigt werden, dass durch moderne fachspezifische Rehabilitationsmaßnahmen die Lebensqualität derartiger Patienten verbessert werden konnte.


 

Durch eine gesundheitsbezogene Ausstellung wurden diese Informationen ergänzt.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Teilnehmer umfassend durch die ausführlichen Referate der vorgenannten Professoren über Blasenkrebserkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten informiert wurden.

Es wurden Anregungen und Hilfen zum Umgang mit der Krankheit Blasenkrebserkrankungen wörtlich und bildlich vorgestellt.

Das Thema Vorsorge und die damit verbundene Früherkennung ist für die Heilbarkeit von Blasenkrebserkrankungen von herausragender Bedeutung.

Durch die Referate und den damit erhaltenen Informationen kann die Lebensqualität verbessert und die Lebensfreude erhalten werden.

 

„Wissen kann Ängste abbauen.“